Die hohe Kunst der Remakes und Remaster – HD-Portierungen und Neuauflagen

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Neuauflagen alter Games können zum Erhalt der Spielkultur beitragen – oder schlicht die Herstellerkassen füllen. Remaster und vor allem Remakes sind aber alles andere als trivial.In unserem Report erklären wir, welche technischen Hürden es gibt und wie eine Neuauflage sogar die Atmosphäre zerstören kann.

Von Michael Cherdchupan und Benedikt Plass-Fleßenkämper

Kleider machen Leute und können bestimmte äußerliche Merkmale kaschieren. Doch charakterlich bleiben die Menschen natürlich unverändert. Diese Allegorie passt wunderbar zu Computer- und Videospielen. Die Zeit schreitet für das noch junge Medium sehr viel schneller voran, als zum Beispiel für Filme oder Bücher. Spiele können noch in derselben Konsolengeneration plötzlich veraltet wirken – etwa dann, wenn ein Nachfolger erscheint. Das Entwicklerteam hat seitdem neue Tricks gelernt, um mehr aus der Hardware herauszuholen. Und das ist gut so, denn bei der schier unendlich wirkenden Auswahl an Konkurrenzprodukten ist der Erfolgsdruck groß. Das bedeutet im Umkehrschluss: Der Aufwand bei Blockbuster-Titeln ist mittlerweile so hoch, dass es einige Jahre und ein mehrere hundert Entwickler starkes Team braucht. Wie hält man sein Publikum so lange bei der Stange? Eine von vielen Möglichkeiten ist die Neuauflage alter Spiele.

Remaster: Was ist das eigentlich? Exkurs zu Musik

Aus wirtschaftlicher Sicht klingt es lukrativ: Der wesentliche Schaffensprozess ist bereits abgeschlossen, ein fertiges Produkt liegt vor. Autoren, Musiker, Sprecher, Designer, Illustratoren – sie alle haben ihren Beitrag bereits geleistet. Nur Programmierer müssen noch einmal ran, um die Stellschrauben für eine neue Hardware anzupassen. Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Zumindest, wenn ein Remaster eine gewisse Qualität aufweisen soll. Der Begriff ist von „Mastering“ abgeleitet und stammt eigentlich aus der Film- und Musikindustrie. Ein eingespielter Song wird im Mastering von einem speziell dafür ausgebildeten Tonmeister noch mal für das Endmedium abgemischt. Dabei variiert das Vorgehen je nach Genre und Zielort.

Ein Popsong soll in der Regel laut klingen und zum Tanzen animieren. Daher komprimiert der Mastering-Artist das Lied, also nähert leise und laute Stellen einander an, sodass es radiotauglich ist und die Zuhörer nicht ständig die Lautstärke ihres Empfangsgeräts verstellen müssen. Auch Bass oder andere Frequenzen kann er verstärken. Bei Klassik sähe es hingegen anders aus, da hier eine hohe Dynamik in der Regel erwünscht ist. In ruhigen Sequenzen darf das Solo der Harfe leise und entspannt vor sich hin zupfen, während wuchtige Passagen mit Pauken und Trompeten die Boxen strapazieren können. Musik-Mastering ist nicht trivial und erfordert eine ausgeprägte Audiophilie.

Remaster beim Film

Bei Filmen gibt es einen ähnlichen Prozess, der vor allem bei analogem Material von hoher Bedeutung ist. Die bewegten Bilder müssen via Abtastung von den entwickelten Filmrollen geholt werden. Vereinfacht gesprochen wird das Negativ dabei mithilfe spezieller Maschinen abgefilmt und digitalisiert. Bei neuen Produktionen läuft das in der Regel relativ reibungslos ab, während bei älterem Material Verschmutzungen auf den Rollen auftauchen können.

Bei der Restaurierung von Klassikern kann je nach Zustand Staub oder Dreck auffallen. Ebenso kann die Filmschicht durch schlechte Lagerung chemisch angegriffen sein. Einmal digitalisiert, gibt es für diese störenden Bildfehler diverse Möglichkeiten. So kann man einen automatischen Algorithmus über das Material laufen lassen, der Flecken automatisch entfernt. Oder alles von Hand retuschieren.

Firmen, die sich auf die Restaurierung spezialisiert haben, nutzen eine Kombination aus beiden Methoden, um je nach Ausgangsmaterial das beste Ergebnis zu erzielen. Theoretisch entspricht das Resultat je nach Formatgröße des Films und verwendeter Linse einer 2K-, 4K- oder sogar 6K-Auflösung, selbst wenn der Streifen schon vor einigen Jahren gedreht wurde. In der Praxis verliert das Material aber aus technischen Gründen auf dem Weg durch Projektion und Scanner fast die Hälfte an Auflösung. Da das Verfahren aber über die Jahre optimiert und auch das Filmmaterial besser wurde (zum Beispiel IMAX mit 65 mm oder 70 mm), kann die moderne Abtastung eines alten Films wieder Sinn ergeben.

Der vollständige Artikel ist am 30. Dezember 2018 bei PC Games.de erschienen.